1. Oktober 2021

Mit „INVEST“ startet ein neues Projekt zur Erforschung geeigneter Finanzierungsintrumente für die Energiewende bei Wohngebäuden

Entscheidend für das weitere Gelingen der Energiewende wird die Wärmewende sein, da der überwiegende Teil der Treibhausgasemissionen in Deutschland nach der fortgeschrittenen Dekarbonisierung bei der Stromerzeugung aus dem Gebäudebereich kommt. Der Gebäudebereich hat zudem seine von der Bundesregierung für 2020 gesetzten sektoralen Klimaziele nicht erreicht. Veränderungen im Gebäudebereich erfordern aber hohe Investitionen. Einkommensschwachen Haushalten fehlt die Kaufkraft und oft auch die Entscheidungsmacht, neue Investitionen in Wohngebäuden vorzunehmen. Hier besteht das Risiko, dass sie dadurch in der Energiewende immer weiter zurückgelassen werden. Das INVEST Projekt hat das Ziel, eine Strategie zur Erweiterung der Finanzierungsmechanismen der Wärmewende in Deutschland zu entwickeln, um ihre Implementierung in der Breite zu ermöglichen, wodurch ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag zum Gelingen der Energiewende geleistet werden kann.

„Die Teilhabe an der Energiewende sollte allen Menschen ermöglicht werden. Vor allem die Haushalte, die schwer zu erreichen sind oder die finanzielle Unterstützung brauchen, sollten miteinbezogen werden. Wir müssen nach Lösungen suchen, welche die Risiken der Finanzierung minimieren, gleichzeitig aber auch als sozialgerecht empfunden werden und die gesamte Bevölkerung miteinbezieht”, erklärt Prof. Dr. Reinhard Madlener vom Institut für Future Energy Consumer Needs and Behavior (FCN) der RWTH Aachen. Eine rasche und tiefgreifende Reduzierung der CO2-Emissionen von Wohngebäuden wird sehr hohe Investitionen in die thermische Sanierung und in neue Heizungssysteme erfordern. Dabei besteht unter anderem die Herausforderung, dass die meisten einkommensschwachen Haushalte Wohnungen in Gebäuden von (gemeinnützigen, börsennotierten oder privaten) Vermietern mieten, wodurch das Mieter-Vermieter-Dilemma entsteht. „Diese Situation wird noch verschärft, wenn die Belastungen durch den nationalen Brennstoffemissionshandel, wie derzeit vorgesehen, einseitig auf die Mieter umgelegt werden, ohne den energetischen Zustand des Gebäudes zu berücksichtigen. Nicht nur werden so potenziell weitere soziale Schieflagen durch Energiearmut erzeugt, die intendierte Lenkungswirkung zur Anreizung von Investitionen in energetische Gebäudesanierung geht ebenfalls verloren.“ sagt Anton Barckhausen vom Forschungs- und Beratungsinstitut adelphi.

Investitionen im Gebäudebereich können sowohl den einkommensschwachen Haushalten als auch dem Klima helfen. “Techno-ökonomisch sind Energieeffizienzmaßnahmen in den Gebäuden ein geeigneter Weg kosteneffizient Klimaschutz zu betreiben, aber vor dem Hintergrund des Mieter-Vermieter-Dilemmas und der Zahlungsschwierigkeiten von einkommensschwachen Haushalten liegen der Umsetzung erhebliche Barrieren im Weg, obwohl durch Nichtstun die Schwierigkeiten der einkommensschwachen Haushalte mit dem Risiko von Energieunterbrechungen auch noch zunehmen“, sagt Prof. Kai Hufendiek vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart. “Dadurch, dass Sanierungen lange Investitionszyklen haben, werden diese nur alle 30-50 Jahre unternommen. Wenn wir ernsthaft die Wärmewende vorantreiben wollen, müssen wir jetzt handeln und Instrumente finden, die effizient steuern und die soziale Frage mit einbeziehen.” Dieses komplexe Problem benötigt neue Strategien, die Amortisation der Investitionskosten durch Energieeffizienzmaßnahmen zu ermöglichen, ohne weder die Mieter noch die Vermieter unverhältnismäßig zu belasten.

In drei exemplarischen Regionen Deutschlands (Baden-Württemberg / Berlin/Brandenburg / Nordrhein-Westfalen) werden in dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) finanziell unterstützten Projekt INVEST Partner aus der Wissenschaft, dem Finanzbereich, dem Wohnungsbau, der Energie(dienstleistungs)versorgung und der Beratung zusammenarbeiten, um Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die auf die Bedarfe in den Pilotregionen zugeschnitten sind. Die Übertragbarkeit der Implementierungsstrategien in andere Regionen oder auf die nationale Ebene werden geprüft und gegebenenfalls angepasst. Auch werden die Wirkungen der Finanzierungsinstrumente über den Einsatz von Simulations- sowie Energiesystemoptimierungsmodellen quantifiziert.

Erkenntnisse und Ergebnisse des INVEST-Projekts zu geeigneten – das heißt auch sozialverträglichen - Finanzierungsinstrumenten werden durch Fachgespräche, Runde Tische, Konferenzen, Workshops, Publikationen und Webinare weitergegeben. Das BMWi unterstützt die Arbeiten innerhalb des Forschungsschwerpunkts “Energiewende und Gesellschaft” des 7. Energieforschungsprogramms mit rund 700.000 Euro an Fördermitteln.

Mehr zum Projekt

Projektpartner:

Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart

adelphi research gGmbH, Berlin

Institut für Future Energy Consumer Needs & Behavior (FCN) an der RWTH Aachen

Kontakt für weitere Informationen:

Kontakt IER: sekretariat@ier.uni-stuttgart.de

Kontakt adelphi: pr@adelphi.de

Kontakt FCN: post_fcn@eonerc.rwth-aachen.de

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