Background: Advancing EU competitiveness through a more effective climate transition | Ariadne
"Bis 2050 will die Europäische Union Klimaneutralität erreichen. Dafür werden nicht nur Technologien, Netze und Märkte umgebaut, sondern auch die Kosten und die Finanzierung von Energiesystemen neu verteilt. In dem Ariadne-Report nutzen wir die IER-Modelle TIMES und NEWAGE um zu beantworten, wie wir diesen Pfad glaubwürdig, investitionssicher und sozial tragfähig gestalten können." (Dr. Annika Gillich, Leiterin des Forschungsbereichs Energiewirtschaft und Sozialwissenschaftliche Analysen)
Das IER-Team war an der Struktur des Reports beteiligt (Introduction, Key Elements und generelle Struktur) und hat zwei modellbasierte Hintergrundanalysen eingebracht: eine zur Rolle grenzüberschreitender Stromnetze (TIMES PanEU) und eine zur Finanzierungslücke der Energiewende und deren Wirkung auf Haushalte (NEWAGE).
Ausbau grenzüberschreitender Stromnetze (TIMES PanEU)
„Die Studie untersucht mit dem weiterentwickelten Energiesystemmodell TIMES PanEU die Auswirkungen eines verstärkten grenzüberschreitenden Infrastrukturausbaus auf das europäische Energiesystem“, sagt Peiwen Chan. „Die Ergebnisse zeigen, dass zusätzliche Interkonnektionsziele den kosteneffizienten Austausch von Energie fördert, nationale Erzeugungsmixe verändert und die Dekarbonisierung unterstützen kann, wobei ein einheitliches Interkonnektionsziel nicht für alle Mitgliedstaaten gleichermaßen effizient ist.“
Zwei Szenarien wurden simuliert:
Business-as-usual (BAU): moderate Kapazitätsentwicklung gemäß bestehender Pläne (TYNDP, European Hydrogen Backbone).
Hohe Interkonnektion (150%): zusätzliche, rasche Netzausbaumaßnahmen ab 2030, angenommen als 150% der bestehenden Planungen.
Was die Modelle zeigen: Mehr grenzüberschreitende Übertragungskapazität erhöht die „Interkonnektivität" der Länder, unabhängig von der gewählten Definition. Staaten mit bereits hohen Zielen (z. B. Frankreich, Belgien, Deutschland) bauen weiter aus, solange importierter Strom kostengünstiger bleibt als inländische Erzeugung. Länder wie Italien können hingegen Schwierigkeiten haben, die Ziele zu erreichen – etwa aufgrund planerischer oder geografischer Restriktionen bei gleichzeitig hoher Elektrifizierung.
Auf nationaler Ebene verschieben sich Erzeugungsmixe: Exportländer (z. B. Finnland) bauen vermehrt kosteneffiziente Kapazitäten (Wind) für zusätzlichen Export, während Importländer (z. B. Niederlande) teilweise inländische Kapazitäten (Gas, PV) zugunsten von Importen reduzieren. Hinsichtlich der Treibhausgasemissionen wird das Klimaneutralitätsziel 2050 in beiden Szenarien erreicht; zusätzliche Interkonnektion beschleunigt die Dekarbonisierung dort, wo Importpreise unter den Kosten inländischer Erzeugung liegen.
Policy-Implikationen: Das 15%-Interkonnektionsziel kann die Energiezusammensetzung und Systemkonfiguration national beeinflussen, Importmengen senken und Exportmengen (insbesondere Strom aus erneuerbaren Energien) erhöhen. Zugleich zeigt sich, dass ein einheitliches Ziel nicht allen Mitgliedstaaten gleichermaßen gerecht wird; eine bessere Harmonisierung nationaler und EU-Planungen, effiziente Finanzierung und schnelle Projektumsetzung sind entscheidend, um Ineffizienzen bei Strom- und Wasserstoffinfrastrukturen zu vermeiden.
Finanzierungslücke der Energiewende (NEWAGE):
„Die Energiewende ist eine Investition: höhere Kosten heute im Tausch gegen geringere flexible Energieausgaben in den kommenden Jahrzehnten“, sagt Nikolas Messerschmidt. „Doch wer trägt die Kosten wann und wie wirkt sich das auf Akzeptanz und Verteilung aus?“
Die Energiewende erfordert erhebliche Vorabinvestitionen, während Haushalte durch die resultierenden Vorteile erst zeitverzögert profitieren – was zu Akzeptanzproblemen führen kann. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit gezielter Kompensationsmaßnahmen, insbesondere für einkommensschwächere Haushalte, jedoch birgt sie gleichzeitig die Gefahr einer Vergrößerung der bestehenden Finanzierungslücke.
Zur Quantifizierung wurde im CGE-Modell NEWAGE eine Agenten-Disaggregierung implementiert, die eine Steuerung und Nachverfolgung globaler Steuerflüsse im Modell ermöglicht. Die Ergebnisse zeigen einen zeitlichen Mismatch: Die höchsten jährlichen Investitionsbedarfe fallen mit den niedrigsten projizierten Steuereinnahmen aus der Energiebesteuerung zusammen. Obwohl eine Verschiebung über Staatsanleihen kurzfristig entlasten kann, manifestiert sich die zugrundeliegende Belastung letztlich auf Haushaltsebene, diese Beobachtung lässt sich für in den meisten EU-Mitgliedstaaten modellieren.
Kernbotschaft: Unsere Analyse unterstreicht, dass eine wachsende Kluft zwischen notwendiger Investitionshöhe und sinkenden Steuereinnahmen aus traditionellen Energiequellen entsteht. Da Haushalte die finanziellen Lasten der Transition früh tragen, bevor sie von niedrigeren flexiblen Energiekosten profitieren, können Akzeptanz- und Verteilungsfragen entstehen.